Allmächtig, allwissend, unfehlbar, gütig. Das sind einige Eigenschaften, die die Juden und Christen Gott zuschreiben. Doch wer die Bibel mal genau liest, wird feststellen, daß er dort an bestimmten Stellen ganz anders dargestellt wird.
Die folgende Abhandlung listet auf biblischer Grundlage Eigenschaften Gottes auf, die manche Gläubige sicher überraschen werden. Das heißt, wenn sie nicht wieder sofort abblocken und verzweifelt versuchen, die Verse zu relativieren. Dabei sind übrigens nicht alle hier aufgeführten Punkte dazu gedacht, Gott schlecht zu machen oder seine Macht herabzuwürdigen. Manche seiner Eigenschaften sind einfach nur ungewöhnlich, ohne daß das etwas Positives oder Negatives bedeutet.
Gott lügt nicht und Gott kann man immer vertrauen? Von wegen:
15 Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaute und bewahrte.
16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten,
17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm issest, mußt du des Todes sterben.
(1. Mose 2:15–17)
Das war die Strafe, die Gott Adam ankündigte, wenn er vom Baum der Erkenntnis ißt: Tod noch am selben Tag. Doch was passierte, als er und Eva dann tatsächlich davon aßen?
7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, daß sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.
8 Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des HERRN unter den Bäumen im Garten.
9 Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?
10 Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.
11 Und er sprach: Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?
12 Da sprach Adam: Das Weib, das du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum, und ich aß.
13 Da sprach Gott der HERR zum Weibe: Warum hast du das getan? Das Weib sprach: Die Schlange betrog mich, so daß ich aß.
14 Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang.
15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.
16 Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, aber er soll dein Herr sein.
17 Und zum Manne sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deines Weibes und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen –, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang.
18 Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen.
19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.
[…]
5:3 Und Adam war 130 Jahre alt und zeugte einen Sohn, ihm gleich und nach seinem Bilde, und nannte ihn Set;
4 und lebte danach 800 Jahre und zeugte Söhne und Töchter,
5 daß sein ganzes Alter ward 930 Jahre, und starb.
(1. Mose 3:7–19, 5:3–5)
Adam mußte nicht an dem Tag sterben, als er die Frucht aß, sondern er lebte noch mehrere hundert Jahre. Somit hatte Gott gelogen. Weiterhin wurden Adam und Eva andere Strafen auferlegt, von denen Gott vorher überhaupt nichts erwähnt hatte.
Die Christen versuchen zum Teil, das ganze damit zu erklären, daß Adam einen geistigen Tod starb: Er sündigte, wurde somit unvollkommen und erlitt dadurch den geistigen Tod, da er von Gott getrennt war. Doch diese nachträgliche Deutung läßt sich durch den Bibeltext nicht bestätigen. In der gesamten Torah und wahrscheinlich auch im ganzen Tanach (d.h. im hebräischen Teil der Bibel, von den Christen Altes Testament genannt) gibt es keinen einzigen Hinweis auf irgendeinen „geistigen“ Tod. Ein Zustand des physischen Lebens und gleichzeitig des geistigen Todes ist dort schlicht und einfach nicht zu finden und wird von Christen hineininterpretiert. Auch der Hinweis, daß Gottes Tag so lang ist wie 1000 Jahre:
Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.
(Psalm 90:4)
ist nicht wirklich eine Erklärung, denn wenn man jemandem eine Strafe androht, muß man schon die Begriffe benutzen, die demjenigen auch geläufig sind. Zu behaupten, daß Gott gemeint hätte: „An dem Tag, wo Du vom Baum der Erkenntnis ißt, wirst Du sterben. Ach ja, und mit Tag meine ich Jahrtausend“ macht schlicht und einfach keinen Sinn und ist erneut nur ein schneller Versuch, diese Lüge Gottes geradezurücken.
Aber es geht noch weiter. Denn nicht nur Gott erzählt die Unwahrheit, sondern auch seine himmlischen Boten lügen mit seiner Erlaubnis und auf seinen Auftrag hin:
19 Micha sprach: Darum höre nun das Wort des HERRN! Ich sah den HERRN sitzen auf seinem Thron und das ganze himmlische Heer neben ihm stehen zu seiner Rechten und Linken.
20 Und der HERR sprach: Wer will Ahab betören, daß er hinaufzieht und vor Ramot in Gilead fällt? Und einer sagte dies, der andere das.
21 Da trat ein Geist vor und stellte sich vor den HERRN und sprach: Ich will ihn betören. Der HERR sprach zu ihm: Womit?
22 Er sprach: Ich will ausgehen und will ein Lügengeist sein im Munde aller seiner Propheten. Er sprach: Du sollst ihn betören und sollst es ausrichten; geh aus und tu das!
(1. Könige 22:19–22)
Gott ist es also selbst, der durch seine Boten die Irrlehren in die Welt setzt. Das heißt, sogar die falschen Propheten kommen letztendlich von Gott, da sie ihre Verkündigungen direkt von den Engeln und Geistern Gottes empfangen. Und manchmal sogar von ihm persönlich:
Wenn aber ein Prophet sich betören läßt, etwas zu verkünden, so habe ich, der HERR, diesen Propheten betört und will meine Hand gegen ihn ausstrecken und ihn aus meinem Volk Israel ausrotten.
(Hesekiel 14:9)
Warum hat Gott Adam und Eva aus dem Garten Eden geworfen? Weil sie vom Baum der Erkenntnis gegessen und somit gegen sein Wort verstoßen haben? Ja. Auch. Der primäre Grund ist jedoch weniger eine Bestrafung, als vielmehr eine Vorsichtsmaßnahme:
22 Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Nun aber, daß er nur nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens und esse und lebe ewiglich!
23 Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, daß er die Erde bebaute, von der er genommen war.
24 Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.
(1. Mose 3:22–24)
Wenn Gott wirklich so mächtig ist, wie die Gläubigen es sich heutzutage vorstellen, dann sollte es für ihn ein Leichtes sein, die Menschen daran zu hindern, unsterblich zu werden. Denn selbst wenn sie vom Baum des Lebens essen würden, könnte Gott die Auswirkungen ja eigentlich wieder rückgängig machen. Wenn er so mächtig ist, wie die Gläubigen es sich heutzutage vorstellen. Aber davon steht hier nichts. Stattdessen muß Gott die Menschen wegschicken, denn würden sie vom Baum des Lebens essen, würden sie unsterblich werden, so wie Gott und die Engel. Und dann wären sie ihm noch ähnlicher als sie es jetzt, durch die erlangte Erkenntnis von Gut und Böse, sowieso schon sind. Und das ist offensichtlich etwas, wovor Gott Angst hat und worüber er dann keinen Einfluß mehr hätte. Deshalb stellt er Wächter vor dem Garten Eden auf, um auch ja aufzupassen, daß die Menschen dem Baum des Lebens nicht mehr zu nahe kommen, damit Gott nicht seine Macht über sie verliert.
1 Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache.
2 Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst.
3 Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, laßt uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel
4 und sprachen: Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder.
5 Da fuhr der HERR hernieder, daß er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten.
6 Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.
7 Wohlauf, laßt uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, daß keiner des andern Sprache verstehe!
8 So zerstreute sie der HERR von dort in alle Länder, daß sie aufhören mußten, die Stadt zu bauen.
9 Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.
(1. Mose 11:1–9)
Die berühmte Geschichte vom Turmbau zu Babel. Eigentlich kennt jeder sie, doch was den wenigsten auffällt, ist, daß Gott hier (erneut) befürchtet, seine Macht und seinen Einfluß zu verlieren:
Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.
Deshalb sieht Gott sich genötigt, dem Treiben auf der Erde ein Ende zu bereiten und die Menschen am Weiterbau des Turms zu hindern. Er tut dies nicht wegen der Überheblichkeit der Menschen oder irgendeinem ähnlichen Grund, sondern weil er nicht will, daß den Menschen alles möglich wird. Diese Gesinnung zeigt, daß Gott nicht allmächtig ist, wie immer behauptet wird, denn wäre er allmächtig, sollte es ihn nicht kümmern, ob die Menschen den Turm fertig kriegen. Wenn er ihnen in Zukunft etwas verwehren wollte, könnte er es immer noch tun. Aber nein, tatsächlich fürchtet sich Gott, daß den Menschen nichts mehr unmöglich sein wird, wenn sie es schaffen, den Turm zu vollenden. Ein zweites Mal muß er eingreifen, damit sie nicht seiner Macht entgleiten.
Es fällt auch auf, daß Gott die Entfernung zwischen Himmel und Erde offenbar nicht einschätzen kann, denn eigentlich hätte er wissen müssen, daß die Menschen der damaligen Zeit es mit ihren primitiven Mitteln wahrscheinlich nie geschafft hätten, einen stabilen Turm bis in den Himmel zu bauen. Aber zu Gottes Weltbild wird später noch etwas gesagt.
Angeblich hat Gott eine perfekte Schöpfung auf die Beine gestellt. Und tatsächlich heißt es am Anfang noch:
Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.
(1. Mose 1:31)
Aber schon ein paar Jahrhunderte später scheint er von seinem Werk nicht mehr so begeistert zu sein:
5 Als aber der HERR sah, daß der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar,
6 da reute es ihn, daß er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen,
7 und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe.
(1. Mose 6:5–7)
Tja, offensichtlich hat Gott doch keine so perfekte Arbeit geleistet, sonst wäre es wohl nie soweit gekommen.
Das war übrigens nicht das einzige Mal, daß Gott etwas nicht richtig durchdacht hatte. Weiter unten im Text gibt es noch weitere ähnliche Beispiele seiner vorschnellen oder unvollständigen Aktionen.
1 Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war.
2 Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde
3 und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber.
4 Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, und laßt euch nieder unter dem Baum.
5 Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, daß ihr euer Herz labet; danach mögt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen. Sie sprachen: Tu, wie du gesagt hast.
6 Abraham eilte in das Zelt zu Sara und sprach: Eile und menge drei Maß feinstes Mehl, knete und backe Kuchen.
7 Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes gutes Kalb und gab’s dem Knechte; der eilte und bereitete es zu.
8 Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen.
(1. Mose 18:1–8)
Gott wird immer als Geistwesen bezeichnet. Transzendent und nicht von dieser Welt. Aber offenbar lassen er und seine Engel einen schönen Braten trotzdem nicht verschmähen.
Niemand hört zu und trotzdem berät Gott sich selbst, und zwar lang und ausgedehnt:
16 Da brachen die Männer auf und wandten sich nach Sodom, und Abraham ging mit ihnen, um sie zu geleiten.
17 Da sprach der HERR: Wie könnte ich Abraham verbergen, was ich tun will,
18 da er doch ein großes und mächtiges Volk werden soll und alle Völker auf Erden in ihm gesegnet werden sollen?
19 Denn dazu habe ich ihn auserkoren, daß er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, daß sie des HERRN Wege halten und tun, was recht und gut ist, auf daß der HERR auf Abraham kommen lasse, was er ihm verheißen hat.
(1. Mose 18:16–19)
20 Und der HERR sprach: Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, daß ihre Sünden sehr schwer sind.
21 Darum will ich hinabfahren und sehen, ob sie alles getan haben nach dem Geschrei, das vor mich gekommen ist, oder ob’s nicht so sei, damit ich’s wisse.
22 Und die Männer wandten ihr Angesicht und gingen nach Sodom. Aber Abraham blieb stehen vor dem HERRN
23 und trat zu ihm und sprach: […]
24 Es könnten vielleicht fünfzig Gerechte in der Stadt sein; wolltest du die umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin wären?
[…]
26 Der HERR sprach: Finde ich fünfzig Gerechte zu Sodom in der Stadt, so will ich um ihretwillen dem ganzen Ort vergeben.
27 Abraham antwortete und sprach: Ach siehe, ich habe mich unterwunden, zu reden mit dem Herrn, wiewohl ich Erde und Asche bin.
28 Es könnten vielleicht fünf weniger als fünfzig Gerechte darin sein; wolltest du denn die ganze Stadt verderben um der fünf willen? Er sprach: Finde ich darin fünfundvierzig, so will ich sie nicht verderben.
29 Und er fuhr fort mit ihm zu reden und sprach: Man könnte vielleicht vierzig darin finden. Er aber sprach: Ich will ihnen nichts tun um der vierzig willen.
30 Abraham sprach: Zürne nicht, Herr, daß ich noch mehr rede. Man könnte vielleicht dreißig darin finden. Er aber sprach: Finde ich dreißig darin, so will ich ihnen nichts tun.
31 Und er sprach: Ach siehe, ich habe mich unterwunden, mit dem Herrn zu reden. Man könnte vielleicht zwanzig darin finden. Er antwortete: Ich will sie nicht verderben um der zwanzig willen.
32 Und er sprach: Ach, zürne nicht, Herr, daß ich nur noch einmal rede. Man könnte vielleicht zehn darin finden. Er aber sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen.
(1. Mose 18:20–24, 26–32)
Hier haben wir die perfekte Bibelstelle, die als Argument gegen Gottes Allwissenheit fungiert: Gott kennt die Sünden Sodoms und Gomorras nur vom Hörensagen und muß nun hinabfahren, um zu sehen, ob es wirklich stimmt, was über die Städte gesagt wird. Dabei hält er beides für möglich: Daß die Behauptungen richtig oder daß sie falsch sind. Er muß sich selbst davon überzeugen. Daß er sich dabei von Abraham auf 10 Gerechte runterhandeln läßt, wegen denen er die Städte verschonen würde, belegt weiter, daß Gott nicht weiß, wieviele Sünder er vorfinden wird. Wäre er allwissend, müßte er nicht erst herunterfahren. Und auch Abraham bräuchte er nicht Hoffnung machen, daß die Städte vielleicht doch verschont werden, denn er könnte gleich zu ihm sagen, daß es dort weder 50, noch 45 oder 40, 30, 20 oder 10 Gerechte gibt, sondern nur einen, den er vor der Zerstörung hinausführen wird. Aber das hat er nicht getan. Weil er es selber noch nicht wußte. Denn Gott ist nicht allwissend.
Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, daß der große Gott ein gerechter Richter ist. Tatsächlich steht in der Bibel aber, daß er sich von Menschen in Rechtsangelegenheiten belehren läßt:
20 Und der HERR sprach: Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, daß ihre Sünden sehr schwer sind.
21 Darum will ich hinabfahren und sehen, ob sie alles getan haben nach dem Geschrei, das vor mich gekommen ist, oder ob’s nicht so sei, damit ich’s wisse.
22 Und die Männer wandten ihr Angesicht und gingen nach Sodom. Aber Abraham blieb stehen vor dem HERRN
23 und trat zu ihm und sprach: Willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen?
24 Es könnten vielleicht fünfzig Gerechte in der Stadt sein; wolltest du die umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin wären?
25 Das sei ferne von dir, daß du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen, so daß der Gerechte wäre gleich wie der Gottlose! Das sei ferne von dir! Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten?
26 Der HERR sprach: Finde ich fünfzig Gerechte zu Sodom in der Stadt, so will ich um ihretwillen dem ganzen Ort vergeben.
(1. Mose 18:20–26)
9 Und der HERR sprach zu Mose: Ich sehe, daß es ein halsstarriges Volk ist.
10 Und nun laß mich, daß mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge; dafür will ich dich zum großen Volk machen.
11 Mose aber flehte vor dem HERRN, seinem Gott, und sprach: Ach HERR, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast?
12 Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, daß er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie von dem Erdboden? Kehre dich ab von deinem grimmigen Zorn und laß dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst.
13 Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig.
14 Da gereute den HERRN das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.
(2. Mose 32:9–14)
Ich gebe zu bedenken, daß es hier nicht darum ging, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Gott hat seine Meinung nicht geändert, weil Abraham und Mose an seine Barmherzigkeit appelliert hätten, sondern deshalb, weil Abraham und Mose ihn daran erinnert haben, daß seine Vorgehensweise ungerecht wäre:
[…] Willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen?
[…]
Das sei ferne von dir, daß du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen, so daß der Gerechte wäre gleich wie der Gottlose! Das sei ferne von dir! Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten?
Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig.
Oder anders ausgedrückt: „Töte nicht den Unschuldigen mit dem Schuldigen!“ und: „Brich nicht Deinen Schwur!“ Wären Abraham und Mose hier nicht gewesen, dann hätte Gott vorschnell etwas getan, was er nun selbst als ungerecht klassifiziert. Wie kann man ihn unter diesen Umständen noch als gerechten Richter ansehen, wo ihm Menschen sagen müssen, was richtig und was falsch ist?
Gott steigt auf die Erde herab, um Jakob zu einem Ringkampf herauszufordern,...
23 Und Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog an die Furt des Jabbok,
24 nahm sie und führte sie über das Wasser, so daß hinüberkam, was er hatte,
25 und blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach.
26 Und als er sah, daß er ihn nicht übermochte, schlug er ihn auf das Gelenk seiner Hüfte, und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen mit ihm verrenkt.
27 Und er sprach: Laß mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.
28 Er sprach: Wie heißest du? Er antwortete: Jakob.
29 Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen.
30 Und Jakob fragte ihn und sprach: Sage doch, wie heißest du? Er aber sprach: Warum fragst du, wie ich heiße? Und er segnete ihn daselbst.
31 Und Jakob nannte die Stätte Pnuël; denn, sprach er, ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet.
(1. Mose 32:23–31)
...und Gott verliert. Er hat es sogar nötig, auf Jakobs Forderung, ihn zu segnen, einzugehen, da dieser ihn sonst nicht losgelassen hätte. Auch wieder ein Bild, das nicht so recht zu einem mächtigen, erhabenen Geistwesen passen will.
Manch einer mag jetzt behaupten, daß Jakob nur mit einem Engel gerungen hat, aber es wird eindeutig gesagt, daß er Gott von Angesicht sah und der Mann, mit dem er ringt, gibt ja selbst zu, daß Jakob mit Menschen und mit Gott gekämpft hat. Und dieses Kämpfen kann sich nicht auf einen geistigen Kampf beziehen, denn wann hat Jakob jemals geistig mit Gott gekämpft? Im Gegensatz zu anderen Personen, die mit Gott haderten oder ihre Berufung nicht akzeptieren wollten, hatte Jakob mit Gott doch nie Probleme gehabt. Folglich kann sich diese Aussage nur auf den buchstäblichen Kampf zwischen Jakob und Gott beziehen.
12 Und Mose sprach zu dem HERRN: Siehe, du sprichst zu mir: Führe das Volk hinauf! und läßt mich nicht wissen, wen du mit mir senden willst, wo du doch gesagt hast: Ich kenne dich mit Namen, und du hast Gnade vor meinen Augen gefunden.
13 Hab ich denn Gnade vor deinen Augen gefunden, so laß mich deinen Weg wissen, damit ich dich erkenne und Gnade vor deinen Augen finde. Und sieh doch, daß dies Volk dein Volk ist.
14 Er sprach: Mein Angesicht soll vorangehen; ich will dich zur Ruhe leiten.
15 Mose aber sprach zu ihm: Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf.
16 Denn woran soll erkannt werden, daß ich und dein Volk vor deinen Augen Gnade gefunden haben, wenn nicht daran, daß du mit uns gehst, so daß ich und dein Volk erhoben werden vor allen Völkern, die auf dem Erdboden sind?
17 Der HERR sprach zu Mose: Auch das, was du jetzt gesagt hast, will ich tun; denn du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.
18 Und Mose sprach: Laß mich deine Herrlichkeit sehen!
19 Und er sprach: Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will vor dir kundtun den Namen des HERRN: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.
20 Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.
21 Und der HERR sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen.
22 Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin.
23 Dann will ich meine Hand von dir tun, und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.
(2. Mose 33:12–23)
„Ich werde all Deinen Bitten nachkommen und auch Deinen letzten Wunsch würde ich gern erfüllen, aber das kann ich leider nicht. Ich kann Dir mein Angesicht nicht zeigen, obwohl ich es gern tun würde. Aber ich mach Dir ein anderes Angebot: Ich zeig mich Dir von hinten. Das ist dann wenigstens etwas. Ich würde Dir mein Angesicht zwar zeigen, aber leider müßtest Du dann sterben, da ich nicht die Macht habe, meine tödliche Wirkung auf Menschen zu deaktivieren.“
Die Torah ist das ewige Gesetz Gottes. Aber trotzdem stand dieses Gesetz offenbar nicht von Anfang an komplett fest, sondern mußte aufgrund eines aktuellen Falls erweitert werden:
1 Und die Töchter Zelofhads, des Sohnes Hefers, des Sohnes Gileads, des Sohnes Machirs, des Sohnes Manasses, von den Geschlechtern Manasses, des Sohnes Josefs, mit Namen Machla, Noa, Hogla, Milka und Tirza kamen herzu
2 und traten vor Mose und vor Eleasar, den Priester, und vor die Stammesfürsten und die ganze Gemeinde vor der Tür der Stiftshütte und sprachen:
3 Unser Vater ist gestorben in der Wüste und war nicht mit unter der Rotte, die sich gegen den HERRN empörte, unter der Rotte Korach, sondern ist um seiner eigenen Sünde willen gestorben und hatte keine Söhne.
4 Warum soll denn unseres Vaters Name in seinem Geschlecht untergehen, weil er keinen Sohn hat? Gebt uns auch ein Erbgut unter den Brüdern unseres Vaters.
5 Mose brachte ihre Sache vor den HERRN.
6 Und der HERR sprach zu ihm:
7 Die Töchter Zelofhads haben recht geredet. Du sollst ihnen ein Erbgut unter den Brüdern ihres Vaters geben und sollst ihres Vaters Erbe ihnen zuwenden.
8 Und sage den Israeliten: Wenn jemand stirbt und keinen Sohn hat, so sollt ihr sein Erbe seiner Tochter zuwenden.
9 Hat er keine Tochter, sollt ihr’s seinen Brüdern geben.
10 Hat er keine Brüder, sollt ihr’s den Brüdern seines Vaters geben.
11 Hat sein Vater keine Brüder, sollt ihr’s seinen nächsten Verwandten geben, die ihm angehören in seinem Geschlecht, damit sie es in Besitz nehmen. Das soll den Israeliten Gesetz und Recht sein, wie der HERR dem Mose geboten hat.
(4. Mose 27:1–11)
Wer weiß, wenn damals jemand gesagt hätte: „Mein Nachbar hat mir meine Idee geklaut“ oder: „Da schüttet jemand Giftstoffe ins Wasser“, gäbe es in der Torah vielleicht auch ein Gesetz zum Urheberrecht oder gegen Umweltverschmutzung.
25 Laß mich hinübergehen und sehen das gute Land jenseits des Jordans, dies gute Bergland und den Libanon.
26 Aber der HERR war erzürnt auf mich um euretwillen und erhörte mich nicht, sondern sprach zu mir: Laß es genug sein! Rede mir davon nicht mehr!
(5. Mose 3:25–26)
Das Verhalten Gottes erinnert mich an Erwachsene, wenn Kinder ihren Willen durchsetzen wollen und die Erwachsenen langsam die Nase voll haben: „Schluß jetzt! Ich hab Nein gesagt und will von nun an nichts mehr davon hören.“
Dennoch war der HERR mit Juda, daß es das Gebirge einnahm; es konnte aber die Bewohner der Ebene nicht vertreiben, weil sie eiserne Wagen hatten.
(Richter 1:19)
Eiserne Wagen. Gott kann nichts gegen eiserne Wagen ausrichten. Er zieht persönlich mit Juda in den Krieg, doch sie können ihre Gegner nicht vertreiben, denn die Gegner haben eiserne Wagen. Und gegen sowas hat selbst ein Gott nichts in der Hand.
Darum siehe, ich will Unheil über das Haus Jerobeam bringen und ausrotten von Jerobeam alles, was gegen die Wand pißt, bis auf den letzten Mann in Israel und will die Nachkommen des Hauses Jerobeam ausfegen, wie man Unrat ausfegt, bis es ganz mit ihm aus ist.
(1. Könige 14:10)
Wie ich es mitbekommen habe, sind gläubige Christen immer besonders empfindlich, was Kraftausdrücke angeht. Bei denen darf man ja nicht den kleinsten „Scheiß“ sagen, ohne daß sie gleich entsetzt sind. Dabei sollten sie sich mal die Sprechweise ihres Gottes zu Gemüte führen.
Wenn es Gott gibt, wieso gibt es dann soviel Leid auf der Welt? Die große Theodizee-Frage, über die sich Gläubige seit Jahrhunderten den Kopf zerbrechen. Dabei ist es so einfach. Denn Gott hat niemals behauptet, allgütig zu sein, sondern sieht sich selbst als den Verursacher von Gut und Böse:
6 […] Ich bin der HERR, und sonst keiner mehr,
7 der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der HERR, der dies alles tut.
(Jesaja 45:6–7)
3 Können etwa zwei miteinander wandern, sie seien denn einig untereinander?
4 Brüllt etwa ein Löwe im Walde, wenn er keinen Raub hat? Schreit etwa ein junger Löwe aus seiner Höhle, er habe denn etwas gefangen?
5 Fällt etwa ein Vogel zur Erde, wenn kein Fangnetz da ist? Oder springt eine Falle auf von der Erde, sie habe denn etwas gefangen?
6 Bläst man etwa die Posaune in einer Stadt und das Volk entsetzt sich nicht? Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der HERR nicht tut?
(Amos 3:3–6)
23 Doch ich erhob meine Hand in der Wüste und schwor ihnen, sie unter die Heiden zu zerstreuen und in die Länder zu versprengen,
24 weil sie meine Gebote nicht gehalten und meine Gesetze verachtet und meine Sabbate entheiligt hatten und nach den Götzen ihrer Väter sahen.
25 Darum gab auch ich ihnen Gebote, die nicht gut waren, und Gesetze, durch die sie kein Leben haben konnten,
26 und ließ sie unrein werden durch ihre Opfer, als sie alle Erstgeburt durchs Feuer gehen ließen, damit ich Entsetzen über sie brachte und sie so erkennen mußten, daß ich der HERR bin.
(Hesekiel 20:23–26)
Man mag es kaum glauben, aber Gott hat den Menschen tatsächlich Gesetze gegeben, die er selbst für schlecht erachtet, nur um den Sündern eins auszuwischen.
Ich möchte übrigens darauf hinweisen, daß die Gebote, die ich in meiner Abhandlung „Warum ich Atheist geworden bin“ aufgrund ihrer Fehlerhaftigkeit kritisiere, nicht zu denen gehören, die hier bei Hesekiel angesprochen werden, womit meine Abhandlung durch diese Verse also nicht widerlegt ist.
Die Christen sagen, Gott ist Liebe und daß er jeden Menschen liebt und nur die Sünde, aber nicht den Sünder haßt. Tja, doch die alten hebräischen Schriften bezeugen etwas anderes, denn Gott kann durchaus konkrete Personen hassen:
2 Ich habe euch lieb, spricht der HERR. Ihr aber sprecht: »Woran sehen wir, daß du uns liebhast?« Ist nicht Esau Jakobs Bruder? spricht der HERR; und doch hab ich Jakob lieb
3 und hasse Esau und habe sein Gebirge öde gemacht und sein Erbe den Schakalen zur Wüste.
(Maleachi 1:2–3)
1 Ein Psalm Asafs. Gott steht in der Gottesgemeinde und ist Richter unter den Göttern.
2 »Wie lange wollt ihr unrecht richten und die Gottlosen vorziehen? SELA.
3 Schaffet Recht dem Armen und der Waise und helft dem Elenden und Bedürftigen zum Recht.
4 Errettet den Geringen und Armen und erlöst ihn aus der Gewalt der Gottlosen.«
5 Sie lassen sich nichts sagen und sehen nichts ein, sie tappen dahin im Finstern. Darum wanken alle Grundfesten der Erde.
6 »Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter und allzumal Söhne des Höchsten;
7 aber ihr werdet sterben wie Menschen und wie ein Tyrann zugrunde gehen.«
8 Gott, mache dich auf und richte die Erde; denn du bist Erbherr über alle Heiden!
(Psalm 82:1–8)
Offenbar gibt es doch nicht nur einen Gott, sondern eine ganze Versammlung voll. Der Gott Israels scheint von den anderen zwar nicht sonderlich viel zu halten, aber er akzeptiert zumindest, daß es sich tatsächlich um Götter und sogar um Söhne des Höchsten handelt.
Daß mit Götter hier irgendwelche Obrigkeiten gemeint sind, ist zwar ein Relativierungsversuch der Gläubigen, geht jedoch aus dem Text selbst nicht hervor.
Man sollte meinen, daß Gott über allem erhaben ist und es ihm nicht auf persönliche Genugtuung ankommt. Wie er aber mit Hiob umgeht und wie er richtig Freude daran hat, ihn fertigzumachen, zeigt, daß es in der Bibel keinen gibt, der sarkastischer ist als Gott:
1 Und der HERR antwortete Hiob aus dem Wettersturm und sprach:
2 Wer ist’s, der den Ratschluß verdunkelt mit Worten ohne Verstand?
3 Gürte deine Lenden wie ein Mann! Ich will dich fragen, lehre mich!
4 Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir’s, wenn du so klug bist!
[…]
19 Welches ist der Weg dahin, wo das Licht wohnt, und welches ist die Stätte der Finsternis,
20 daß du sie zu ihrem Gebiet bringen könntest und kennen die Pfade zu ihrem Hause?
21 Du weißt es ja, denn zu der Zeit wurdest du geboren, und deine Tage sind sehr viel!
(Hiob 38:1–4, 19–21)
„Na los, komm schon! Du bist doch so klug. Zeig mal, was Du drauf hast!“ Das ist so ziemlich das, was Gott Hiob antwortet. Nicht gerade sehr angemessen. Sarkasmus ist zwar an sich nichts Schlimmes, aber man sollte ihn sich doch sparen, wenn man selbst der Herr über jemanden ist und sich sein Untergebener ungerecht behandelt fühlt.
Zum Sarkasmus kommt noch hinzu, daß Gott nichtmal wirklich weiß, wie die Welt aussieht und funktioniert. Er hält sich für so weise, doch beschreibt die Erde komplett falsch:
4 Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir’s, wenn du so klug bist!
[…]
6 Worauf sind ihre Pfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt,
7 als mich die Morgensterne miteinander lobten und jauchzten alle Gottessöhne?
8 Wer hat das Meer mit Toren verschlossen, als es herausbrach wie aus dem Mutterschoß,
9 als ich’s mit Wolken kleidete und in Dunkel einwickelte wie in Windeln,
10 als ich ihm seine Grenze bestimmte mit meinem Damm und setzte ihm Riegel und Tore
11 und sprach: »Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!«?
12 Hast du zu deiner Zeit dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren Ort gezeigt,
13 damit sie die Ecken der Erde faßte und die Gottlosen herausgeschüttelt würden?
[…]
17 Haben sich dir des Todes Tore je aufgetan, oder hast du gesehen die Tore der Finsternis?
[…]
19 Welches ist der Weg dahin, wo das Licht wohnt, und welches ist die Stätte der Finsternis,
20 daß du sie zu ihrem Gebiet bringen könntest und kennen die Pfade zu ihrem Hause?
[…]
37 […] Wer kann die Wasserschläuche am Himmel ausschütten
[…]
41 Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und irrefliegen, weil sie nichts zu essen haben?
(Hiob 38:4, 6–13, 17, 19–20, 37, 41)
Das ist also Gottes Weltbild: Die Erde steht auf Pfeilern, Sterne sind Lebewesen mit Bewußtsein und das Meer ist mit Toren verschlossen. Interessant, daß Gott, was die Welt betrifft, auch nicht mehr weiß als die Menschen damals.
Ach ja, und Raben beten zu Gott.
Das sogenannte Wort Gottes wurde nicht nur von jüdischen Propheten und Schreibern verfaßt, sondern Gott hat auch einem heidnischen Herrscher erlaubt, seinen Teil dazu beizutragen. Dieser durfte sogar in der ersten Person schreiben:
31 König Nebukadnezar allen Völkern, Leuten aus so vielen verschiedenen Sprachen auf der ganzen Erde: Viel Friede zuvor!
32 Es gefällt mir, die Zeichen und Wunder zu verkünden, die Gott der Höchste an mir getan hat.
33 Denn seine Zeichen sind groß, und seine Wunder sind mächtig, und sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währet für und für.
(Daniel 3:31–33)
König Nebukadnezar bekennt sich hier zwar zu Gott, allerdings scheint er trotzdem noch andere Götter anzubeten und gibt dem Gott Israels nicht die ausschließliche Ehre, wie der es ja immer gerne hat:
1 Ich, Nebukadnezar, hatte Ruhe in meinem Hause und lebte zufrieden in meinem Palast.
2 Da hatte ich einen Traum, der erschreckte mich, und die Gedanken, die ich auf meinem Bett hatte, und die Gesichte, die ich gesehen hatte, beunruhigten mich.
3 Und ich befahl, daß alle Weisen Babels vor mich gebracht würden, damit sie mir sagten, was der Traum bedeutete.
4 Da brachte man herein die Zeichendeuter, Weisen, Gelehrten und Wahrsager, und ich erzählte den Traum vor ihnen; aber sie konnten mir nicht sagen, was er bedeutete,
5 bis zuletzt Daniel vor mich trat, der Beltschazar heißt nach dem Namen meines Gottes und der den Geist der heiligen Götter hat. Und ich erzählte vor ihm den Traum
(Daniel 4:1–5)
Es fällt auf, daß Nebukadnezar von seinem Gott und den Göttern ganz regulär spricht und nicht in irgendeiner Form, die erkennen läßt, daß er sie zwar damals anbetete, sie aber jetzt nicht mehr anerkennt:
bis zuletzt Daniel vor mich trat, der Beltschazar heißt nach dem Namen meines Gottes und der den Geist der heiligen Götter hat. […]
Ergo wurde ein Teil der heiligen jüdischen Schriften nach eigenen Aussagen tatsächlich von einem heidnischen Polytheisten geschrieben.
12 Und Asa wurde krank an seinen Füßen im neununddreißigsten Jahr seiner Herrschaft, und seine Krankheit nahm sehr zu; und er suchte auch in seiner Krankheit nicht den HERRN, sondern die Ärzte.
13 So legte sich Asa zu seinen Vätern und starb im einundvierzigsten Jahr seiner Herrschaft.
(2. Chronik 16:12–13)
Die Gläubigen sollten nie vergessen: Wenn man krank wird, ist kein Arzt aufzusuchen, sondern man hat sich an Gott zu wenden.
Jetzt wird vielleicht manch einer sagen, daß Asa bloß kritisiert wird, weil er Gott nicht gesucht hat, sondern sich nur an die Ärzte wandte, während es durchaus legitim ist, sich an Gott und an Ärzte zu wenden. Nun ja, aber dann hätte man die Erwähnung der Ärzte in diesem Vers auch einfach weglassen können und bloß sagen brauchen, daß sich Asa nicht an Gott wandte. Daß die Ärzte trotzdem dastehen, bedeutet, daß hier ein Gegensatz dargestellt wird:
[…] und er suchte auch in seiner Krankheit nicht den HERRN, sondern die Ärzte.
Das heißt: Statt die Ärzte aufzusuchen, hätte er sich laut Bibel an Gott wenden müssen.
Ich bin mir sicher, daß viele Gläubige nicht wissen, was in der Bibel so alles über Gott steht. Und ich bin mir sicher, daß viele Gläubige, wenn man sie mit diesen Versen konfrontiert, wieder versuchen werden, das ganze kleinzureden oder zu relativieren, während es für sie ein gefundenes Fressen wäre, wenn so etwas in heiligen Büchern anderer Religionen stünde. Doch vielleicht sind einige ja klug genug, zu erkennen, daß die Menschen von Gott nicht durch Offenbarungen wissen, sondern daß Gott eine Erfindung der Menschen ist, die sich erst im Laufe der Jahrhunderte von einem lokalen Stammesgott hin zum allmächtigen, allwissenden Herrscher der Welt entwickelt hat. Genauso, wie die Bibel kein homogenes Werk aus einer einzigen übernatürlichen Quelle, sondern eine Sammlung von Schriftstücken ist, geschrieben von verschiedensten Menschen der Antike, die jeweils ganz eigene Vorstellungen von Gott hatten, so daß die Bibel die merkwürdigsten Eigenschaften des „Allmächtigen“ enthält.